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Samstag, 19. November 2011

Crash!

Montag:

Sport. Basketball. Das Spiel. Alles läuft so gut. Auf einmal ein Knall. Schmerz. Der harte Boden unter mir.
Ich setze mich auf, halte mir den schmerzenden Kopf, die blutende Nase. Heule wie ein Schlosshund.
Irgendjemand spricht mich an. Ich habe keine Ahnung, wer. Vor meinen Augen verschwimmt alles.
Meine Sportlehrerin aber erkenne ich an ihrem ekelhaften Geruch. Sie stemmt mich hoch und bringt mich an den Hallenrand. Ich glaube, die Studi's gucken ziemlich dumm.

Nach dieser Stunde geht es mir so schlecht, dass ich von meinem Dad abgeholt werden muss. Er fährt mit mir in die Notfallchirurgie, ist total lieb zu mir. Ich glaube, im Grunde hat er mich doch ganz lieb.
Der Arzt tastet meinen Kopf ab. Sagt, ich hätte eine leichte Gehirnerschütterung. Dürfe nach Hause und in die Schule, solle aber auf mich aufpassen.


Dienstag:

Erste Stunde. Kunst. Mein Kopf dröhnt. Mir ist schwindelig. Ich glaube, ich muss kotzen. Trotzdem schreibe ich die Kurzkontrolle mit. Halte sogar Geschichte in der zweiten Stunde durch.
Doch dann geht gar nichts mehr. Ich kippe vom Stuhl, höre S. aus meiner Klasse aufschreien, weil sie in Sorge um mich erschrickt. Sie bringt mich ins Sekretariat. Die Frau dort ruft meine Mom an. Die holt mich ab, fährt mit mir erst zu meiner Kinderärztin am anderen Ende der Stadt. Eine Dreiviertel Stunde lang.
Aber ich kann da nicht behandelt werden, weil ich vom Chirurgen ja schon ''anbehandelt'' wurde. Arschlöcher.
Wir fahren zurück. Nach Hause. Steigen ins Auto und fahren in die Kinderchirurgie. Der Arzt dort ist nett, tastet mich vorsichtig ab. Dann die Diagnose: Krankenhausaufenthalt und Bettruhe. Na, danke auch.
Im Zimmer liege ich erst alleine. Dann werden zwei weitere Mädchen gebracht. Die eine von der Ohren-OP, die andere mit schweren Verbrennungen am Bauch.
Ich quatsche mit ihnen. Fernsehen darf ich noch nicht.
Zur Nachtruhe werde ich an ein Pulsmessgerät angeschlossen, dass sofort lospiept, wenn ich still liege.


Mittwoch:

Visite um 7 Uhr morgens. Um 6.30 Uhr aufstehen. Na toll. Ich bin üde, möchte schlafen.
Der restliche Tag ist langweilig.
Meine Mom kommt mich besuchen, bringt meinen Bruder mit.
Am Abend wieder das Gerät. Das Zimmer ist leer. Bis auf mir wurden alle entlassen.



Donnerstag:

Wieder Visite. Ich darf morgen nach Hause. Endlich.
Aber für den Rest des Tages noch Bettruhe.
Gegen Mittag kommt ein neues Mädchen. Geplatzer Blinddarm. Jetzt ist sie ihn los.
Sie ist mir egal, ich kümmere mich nicht um sie. Lese, schaue fern, und arbeite an meinen Schulaufgaben, die ich bekommen habe.
Gegen Nachmittag kommt noch ein Mädchen. Auch Gehirnerschütterung. Ist von der Treppe gefallen.
Sie ist nett. Mir aber trotzdem egal.



Freitag:

Entlassung. Endlich. Nach drei Tagen wieder zu Hause. Auf meinem Entlassungsbrieg steht: '' Schädel-Hirn-Trauma ersten Grades und Nasenbeinprellung''...Nasenbeinprellung? Davon wusste ich ja gar nichts.
Schweine. Verschweigen und schweigsam sein. Immer das selbe.


Jetzt:

Mir geht es gut, nur die bis Donnerstag zu erledigenden Schulsachen kotzen mich an.
Das war wirklich wie ein falscher Step auf der Tanzfläche. Einer, bei dem man sich sofort auf die Fresse packt. Aber ich stehe wieder auf, bin stark. Schaffe das.
Am Donnerstag gehts ins Kino. Twilight 4.1. Stehe ich eigentlich eher nicht so drauf. Aber okay, S. hat Geburtstag und ich geh mit ihr hin, weil sie es möchte. Davor shoppen und danach eine Pyjama-Party bei ihr.
Irgendwie freue ich mich darauf.


Naja, bis dann.
Viel Spaß auf der Bühne eures Lebens.
Viele gute Steps und so,


Elly

Donnerstag, 3. November 2011

Vorhang auf, Scheinwerfer an, Maske aufgesetzt. Denn niemand darf merken, dass du weinst.

Das Publikum sitzt erwartungsvoll auf seinen Plätzen. Erst erfüllt vorfreudiges Gerede, dann laute Stille den Publikumsraum. Plötzlich schwingt der Vorhang auf und offenbart eine beeindruckende Kulisse. Doch die Bühne selber ist leer. Bamm! Ein Knall ertönt, Rauch überflutet den Raum und heraus bildet sich die schwarze Silhouette einer Frau. Eines Mädchens. Oder doch einer Frau? Dem Publikum ist es egal.
Blaues Licht uhüllt sie und lässt den Nebel um sie herum wie eine Aura aussehen. Die Zuschauer sehen gebannt zu, als mit einem Mal Musik ertönt und die Gestalt beginnt, zu tanzen. Den Kopf behält sie dabei gesenkt, damit vorerst niemand die Maske bemerkt, die sie vor dem Gesicht trägt und mit einer Kaputze bedeckt.
Stille. Die Musik verstummt, das Mädchen erstarrt und es ertönt eine sanfte, liebliche Melodie.
Scheinwerfer leuchten bunte Wege ins schwarze Nichts und treffen auf Hindernisse. Dann verweht ihre letzte Spur und der Raum wird hell erleuchtet.
Die Tänzer springen aus der Schwärze und stehen der erstarrten Frau zur Seite, indem sie zur nun wieder lauten Musik tanzen.
Später ist die Bühne wieder schwarz, der Zuschauerraum leer. Die Tänzer längst gegangen.
Ein einziger Scheinwerfer strahlt sein sanftes Blau auf etwas, das verloren auf dem Tanzparkett liegt.
Die Maske der Frau.
Mit der Vorderseite, die die ganze Zeit das Publikum betört hat, nach unten gewandt, entblösst sie ihr farbloses Inneres. Etwas glitzert. Dort, wo die Schlitze für die Augen herausgeschnitten sind, sammelt sich im Augenwinkel ein Tropfen farbloses Nass.